EUROPA-UNION in der Prager Botschaft
Erwachsene schämten sich nicht ihrer Tränen, als in der Deutschen Botschaft in Prag die ergreifenden Szenen aus dem Herbst 1990 in Filmdokumenten gezeigt wurden. Rudolf Malorny, früherer Leiter der Beruflichen Schulen in Ziegenhain und hervorragender Kenner der tschechischen Hauptstadt, hatte für den fünftägigen Aufenthalt gemeinsam mit Helmut Bonte ein reichhaltiges Programm zusammengestellt.
Einerseits zeigte „Jana“, die seit Jahren vertraute Gruppenbegleiterin, bei zwei mehrstündigen Burg- und Stadtführungen die klassischen touristischen Attraktionen vom Hradschin bis zum Wenzelsplatz. Hinzu kamen Moldau-Schiffsrundfahrt, Karlstein-Ausflug, eine Theaterschau und zwei Konzertabende im Clementinum und in der St. Nikolas-Kirche; hier eröffnete das Symphonieorchester den Abend mit der Europahymne, hier eine politische Demonstration. Urig war es stets im historischen „Bären“. Erstaunliches passierte bei den Fahrten in der immer gepflegten Metro: Männer boten Frauen den Platz an, Jüngere standen für Ältere auf!
Weil aber „die große Wende“ in Deutschland und Europa vor 20 Jahren gerade in Prag einen entscheidenden Impuls erhielt, suchte die 45-köpfige Reisegruppe vor Ort auch das politische Gespräch. Im mächtigen Lobkowitz-Palais erläuterte Joachim Bruß, Leiter des Sprachendienstes in der deutschen Botschaft, die Situation um den berühmten 30.September 1990. Ergreifend waren die menschlichen Schicksale, hilfreich die Kooperation mit Rotem Kreuz und Stadtverwaltung, fieberhaft die diplomatischen Aktivitäten im Ringen um friedliche Konfliktlösungen.
Interessante Informationen zu Politik und Gesellschaft im Nachbarland bot Dr. Hubert Gehring als Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Prag. Ihre Arbeit zielt darauf, deutsch-tschechische Netzwerke aufzubauen und ein realistisches Europabild zu vermitteln. Dazu passten die Ausführungen von Jiri Georgiev, der als Wissenschaftlicher Berater für die Europakammer des Senats arbeitet. Bei einem Rundgang durch den Waldstein-Palais, den Sitz dieses 81-köpfigen Verfassungsorgans, trug der junge Verfassungsrechtler seine kunstgeschichtlichen und europapolitischen Informationen vor.
Mit Recht stellten Reiseleiter Rudi Malorny und EU-Kreisvorsitzender Heinz Wagner fest, man habe „hochkarätige Gesprächspartner“ gefunden, den kulturellen Reichtum der Metropole erfahren und neue Sympathien für das Nachbar- und Partnerland gewonnen.
Auf der Rückfahrt - durch das schneebedeckte Erzgebirge - erfolgte noch ein Kurzbesuch mit Stadtführung in Chemnitz; am Beispiel der z.T. sanierten Kirche St. Jakobi wurden wieder die dramatischen Ereignisse der Zeitgeschichte bewusst.









