Neue Energie aus Sonne, Mais und Mist
In Brüssel wird die „Europäische Energiestrategie 2020“ erarbeitet – verwirklicht wird sie vor Ort. Diese Zusammenhänge will der Kreisverband der überparteilichen EUROPA-UNION deutlich machen. Gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Regine Müller und Timon Gremmels, energiepolitischer Experte der SPD-Fraktion, besuchte zum Auftakt eine große Teilnehmergruppe, darunter auch ein PoWi-Kurs der Melanchthon-Schule, die „Sunnwess“ vor Wasenberg und die Biogasanlage in der Ransbacher Gemarkung. Die Auswertung erfolgte anschließend im Treysaer Gemeinschaftshaus; engagierte Bürgerinnen und Bürger planen in einer Arbeitsgemeinschaft „Neue Energie für den Schwalm-Eder-Kreis“ (AG-NES) weitere Projekte.
Seit 2005 erzeugt Horst Kaisinger im Verbund mit der Kirchner-Gruppe Solarstrom, inzwischen rund 2 Millionen Kilowattstunden und ausreichend für mehr als 100 Haushalte. „Der 1. Mai brachte einen Rekord: 4 000 kWh an einem Tag!“, berichtete der Wasenberger Landwirt, der die Gebäude zugleich für seinen Betrieb nutzt. Genehmigungsverfahren, Investitionen, Umsatz, Service – alles spannende Informationen für die Besucher, die von dem Praktiker klare Antworten auf ihre Fragen erhielten.
Staunen und Anerkennung erntete auch Betriebsleiter Christian Grabau bei der Führung durch die weitläufige Ransbacher Biogasanlage, die aus einer Mischung von Mais (von rund 500 ha), Hühner- und Putenmist sowie Rindergülle im Jahr eine Gesamtenergiemenge von rund 35 Mio kWh produziert. Lang ist die Reihe der Vorteile: 34 Eigentümer sind mit den Stadtwerken Kassel verbunden, Bioerdgas geht direkt ins EON-Netz, der erzeugte Strom reicht für ca. 4 000 Haushalte, die Abwärme wird teilweise schon genutzt und entspricht rund 1 000 Haushalten, ca. 18 000 Tonnen CO2 werden eingespart. Im Gärprozess entsteht wertvoller Biodünger, der geruchlos auf die Felder aufgebracht wird. Hinzu kommt eine andere Dimension: Aufträge, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bleiben vor Ort.
Weitere Informationen und Anregungen gab es beim Abschlusstreffen in Treysa. MdL Gremmels wies auf die herausragende Rolle des Solartechnikunternehmens SMA und der wissenschaftlichen Institute in Nordhessen hin, seine Kollegin Regine Müller forderte das Ende der Biblis-Reaktoren. Karl Schmidt, selbst Inhaber mehrerer Wasserkraftwerke, äußerte sich kritisch zu geplanten Änderungen des Gesetzes über Erneuerbare Energien (EEG). Stadtverordneter Andreas Eckert sprach sich für vorbildliche kommunale Objekte aus. Marianne Hühn, Kreisvorsitzende der EUROPA-UNION und Justiziarin beim Landkreis Bad Hersfeld-Rotenburg, sowie Herbert Schmidt, früherer Leiter des Kreisbauamts in Homberg, wiesen auf notwendige Änderungen im Bau- und Kommunalrecht hin.
Eingangs hatte Heinz Wagner das neue Konzept der EU „für wettbewerbsfähige, nachhaltige und sichere Energie“ vorgestellt; interessant seien v.a. die Schwerpunkte „Verbraucherschutz“ und „Weiterentwicklung von Energietechnologien“. Die Unterlagen sind bei den allwöchentlichen Montagstreffen im Treysaer Hospital (ab 17 Uhr) erhältlich.
Bei den nächsten Treffen soll die Nutzung der Wasser- und Windkraft erkundet werden. Organisiert werden die Aktionen von einer Arbeitsgruppe, die sich AG-NES (Neue Energie für Schwalmstadt, Schwalm und Schwalm-Eder-Kreis) nennt. Initiatoren sind Marianne Hühn (Oberaula), Karl Schmidt und Birgit Werner vom EU-Vorstand sowie Stadtrat Dr. Jochen Riege (alle Schwalmstadt). Der Arbeitskreis ist offen für alle Interessierte und lädt über die Lokalzeitungen und das Internet ein.












